Dienstag, 3. Juni 2014

Amsterdam & Brügge

Amsterdam – das ist bestimmt eine der Städte, bei der einem sofort unzählige Dinge einfallen, die man damit verbindet. Grachtenhäuser – unendlich niedlich und eine Augenweide, nicht nur für Architekturliebhaber. Auch Fahrräder soll es hier wie Sand am Meer geben. Käse, insbesondere Edamer und Gouda, bei dem einem schon das Wasser im Mund zusammenläuft. Buntbemalte Holzschuhe und Windmühlen stehen wohl eher für Holland im Allgemeinen. Auch die sehr liberale Einstellung gegenüber Drogen sowie „dem ältesten Gewerbe der Welt“ sind wohl typisch für Amsterdam.

Na gut, so viel zu Stereotypen, jetzt aber mal zu meinen persönlichen Eindrücken. Meine Reise nach Amsterdam startete Freitagabend von Central London aus. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt zwar bereits, dass mir eine lange Nacht mit wenig Schlaf bevorstehen würde, aber ich hatte ja keine Ahnung. Zwar war ich zuvor schon über Nacht von Toronto nach Chicago, Washington und New York gefahren, aber das war ja fast noch bequem im Gegensatz zu der Überfahrt nach Amsterdam. In einem Bus zu schlafen, geht ja bei gedämpftem Licht noch einigermaßen. Jedoch auf einer Fähre, wo zwei Stunden lang Kaffeehausbetrieb herrscht und keine Spur von einem ruhigen, dunklen Plätzchen in Sicht ist, kann man jegliche Hoffnung auf ein bisschen Schlaf sofort in die Tonne treten. Lediglich auf der vierstündigen Busfahrt von Frankreich nach Amsterdam habe ich zumindest ein bisschen schlummern können. Dennoch nutzte ich beim Frühstücks-Stop die Gelegenheit gleich dafür, meine Augenringe zu überschminken.
 
 

Endlich in Amsterdam angekommen, stellte ich umgehend fest, dass an der Sache mit den Fahrrädern definitiv etwas dran war. 1,3 Millionen Fahrräder kommen auf 800.000 Einwohner – und eins kann ich euch sagen, die sind allesamt unterwegs wie Formel 1 Piloten. Überqueren Fußgänger die Straße, ziehen die Verrückten auf ihren Drahteseln es nicht einmal in Betracht, auch nur ganz leicht auf die Bremse zu steigen. Und wenn sie vorher zumindest ihre Fahrradklingel betätigen, hat man ja noch Glück. Auch ich hätte an diesem Tag fast zweimal eine unschöne Begegnung mit einem Fahrrad gehabt – die riskieren doch wirklich eher einen Zusammenstoß, als vom Gas runter zu steigen. So wie ich das Geräusch von Autohupen ewig mit New York verbinden werde, kommt mir jetzt Amsterdam in den Sinn, sobald ich eine Fahrradklingel höre.
 
 

Kurz nachdem wir in Amsterdam angekommen waren, mussten wir feststellen, dass es der Veranstalter gleich mal richtig verbockt hat. Die hatten doch tatsächlich vergessen, die ach so tolle Grachtenfahrt zu reservieren, die es angeblich schon um 10 Euro geben soll. So hatten wir lediglich die Möglichkeit, um 15 Euro auf eigene Faust eine Bootstour zu unternehmen. Zunächst schlossen wir uns jedoch einer Walking Tour an, die uns von der Central Station über die vielen Grachten und Kanäle bis hinunter zum Museum Square führte. An besagtem Punkt war auch das bekannte I am‘sterdam Zeichen zu sehen. Hier befanden sich außerdem das Van Gogh Museum, sowie das Heineken Bier Museum. Da Heineken aber sowieso nicht zu meinen Lieblingssorten zählt, konnte ich das mit gutem Gewissen auslassen. Natürlich wieder mal völlig überlaufen, daher wollten wir nicht zu viel Zeit dort verschwenden und machten uns lieber auf dem Weg zur Bootstour, die uns ja vom Veranstalter verwehrt worden war. Leider kein offenes Boot, das hat mich ehrlich gesagt schon gestört. Dennoch haben wir einiges zu den Sehenswürdigkeiten erfahren, die wir passiert haben, beispielsweise zum Anne Frank Haus.
 
 

Nach einem unspektakulären Mittagessen erforschten wir den bekannten Blumenmarkt Amsterdams, wo es Zwiebeln aller nur erdenklichen Tulpensorten zu erstehen gab. Leider hatten wir die Tulpenzeit um etwa vier Wochen verpasst – aber somit habe ich zumindest einen Grund, wieder zu kommen. Neben Tulpen gab es auch Cannabis in der Dose – naja, wozu? Ist doch sowieso nur in den Niederlanden legal und daher als Mitbringsel eh nicht zulässig. Ich persönlich würde mich ja nicht gerade über Cannabis zum Selberzüchten freuen, wenn es mir jemand mitbringen würde.
 
 

Ganz in der Nähe befand sich der „Kaaskelder“ – Käsekeller auf Deutsch. Ein Paradies für Käseliebhaber, besonders ein schmackhafter Baby Gouda hatte es mir angetan. Rund um die Grachten und den Markt gab es natürlich auch zahlreiche Souvenirshops, die eigentlich all die Stereotypen widerspiegeln, die ich oben erwähnt habe. Holzschuhe in Originalgröße sowie im Miniaturformat gehören natürlich zu den Top Souvenirs, wie auch zahlreiche Motive von Grachtenhäusern. Aber auch Amsterdams Image als Hauptstadt des Cannabiskonsums und der Prostitution wurde in diesen Souvenirshops sehr bestärkt. Ich persönlich muss sagen, dass es ich das mehr als geschmacklos finde – ja klar, die beiden Dinge gehören ja irgendwie dazu, aber trotzdem muss das doch nicht sein. Amsterdam hat doch so viel mehr zu bieten.
 
 

Am meisten genossen habe ich die Spaziergänge entlang der Kanäle. Einfach nur die Grachtenhäuser und Hausboote bei diesem tollen Wetter zu betrachten, macht schon richtig Laune. Ehrlich gesagt ist Amsterdam auch keine dieser klassischen Sightseeing Städte, bei der man von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten hetzt, wie etwa in Paris oder London. Nein, Amsterdam ist mehr eine Stadt zum Herumschlendern, finde ich zumindest.

Abends führte uns unser Tourguide durch das berühmte Rotlichtviertel von Amsterdam – und wirklich, dieses Viertel macht seinem Namen alle Ehre. In engen Gassen stellen sich die Mädchen doch wirklich wie käuflich erwerbbare Ware in Schaufenster aus, die bei Bedarf einen Vorhang zum Vorziehen haben. Hat mich wirklich schockiert, wie leichtfertig sich diese Frauen hergeben – viele von ihnen wirklich bildhübsch. Und der schlimmste Gedanke ist für mich ja immer der folgende: das ist von irgendjemandem die Tochter. Stolz sind die bestimmt nicht, so viel steht fest.
 
 
 
Nach einer relativ kurzen Nacht in einem Hotel, das unter die Kategorie „mehr schlecht als recht“ fällt, ging es am nächsten Morgen schon ganz früh zu einer Käse-/Holzschuhproduktion in unmittelbarer Nähe. Am Vortag habe ich mir extra den schmackhaften Baby Gouda nicht gekauft, weil ich damit gerechnet habe, ihn auf einer privaten Farm billiger erstehen zu können. Naja, nur blöderweise gab es meinen gewünschten Käse gar nicht L
 
 

Habe mich zwar durch diverse Käsesorten gekostet, über meinen Favoriten kam ich jedoch nicht hinweg. Anschließend ging unsere Fahrt weiter nach Brügge, der mittelalterlichen Stadt in Belgien, wo wir nach einer kurzen Führung einen netten Nachmittag in der Stadt verbrachten. Bei dem schönen Wetter durften natürlich auch belgische Waffeln nicht fehlen. Als kleiner Weltenbummler vergleicht man natürlich immer gerne die verschiedenen Orte, die man so sieht – in Belgien war ich ja bereits in Brüssel und Gent. Leider muss ich sagen, dass Brügge für mich eher in die Kategorie „durchschnittlich“ fällt. Ganz nett, aber nicht unbedingt ein Ort, den man sich zweimal ansieht. Hat für mich einfach nicht das gewisse Etwas, so Leid es mir tut…



Als ich mich spätabends am Sonntag endlich wieder in mein Bett kuscheln durfte, war ich schon sehr erleichtert – der Schlafmangel hat mich doch ziemlich mitgenommen. Dennoch kann ich Amsterdam doch im Großen und Ganzen sehr positiv hervorheben und werde mich dort sicher nochmal blicken lassen J

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