Na gut, so viel
zu Stereotypen, jetzt aber mal zu meinen persönlichen Eindrücken. Meine Reise nach
Amsterdam startete Freitagabend von Central London aus. Ich wusste zu diesem
Zeitpunkt zwar bereits, dass mir eine lange Nacht mit wenig Schlaf bevorstehen
würde, aber ich hatte ja keine Ahnung. Zwar war ich zuvor schon über Nacht von
Toronto nach Chicago, Washington und New York gefahren, aber das war ja fast
noch bequem im Gegensatz zu der Überfahrt nach Amsterdam. In einem Bus zu
schlafen, geht ja bei gedämpftem Licht noch einigermaßen. Jedoch auf einer Fähre,
wo zwei Stunden lang Kaffeehausbetrieb herrscht und keine Spur von einem
ruhigen, dunklen Plätzchen in Sicht ist, kann man jegliche Hoffnung auf ein
bisschen Schlaf sofort in die Tonne treten. Lediglich auf der vierstündigen
Busfahrt von Frankreich nach Amsterdam habe ich zumindest ein bisschen
schlummern können. Dennoch nutzte ich beim Frühstücks-Stop die Gelegenheit gleich
dafür, meine Augenringe zu überschminken.
Endlich in
Amsterdam angekommen, stellte ich umgehend fest, dass an der Sache mit den
Fahrrädern definitiv etwas dran war. 1,3 Millionen Fahrräder kommen auf 800.000
Einwohner – und eins kann ich euch sagen, die sind allesamt unterwegs wie Formel
1 Piloten. Überqueren Fußgänger die Straße, ziehen die Verrückten auf ihren
Drahteseln es nicht einmal in Betracht, auch nur ganz leicht auf die Bremse zu
steigen. Und wenn sie vorher zumindest ihre Fahrradklingel betätigen, hat man
ja noch Glück. Auch ich hätte an diesem Tag fast zweimal eine unschöne
Begegnung mit einem Fahrrad gehabt – die riskieren doch wirklich eher einen
Zusammenstoß, als vom Gas runter zu steigen. So wie ich das Geräusch von
Autohupen ewig mit New York verbinden werde, kommt mir jetzt Amsterdam in den
Sinn, sobald ich eine Fahrradklingel höre.
Kurz nachdem
wir in Amsterdam angekommen waren, mussten wir feststellen, dass es der
Veranstalter gleich mal richtig verbockt hat. Die hatten doch tatsächlich
vergessen, die ach so tolle Grachtenfahrt zu reservieren, die es angeblich
schon um 10 Euro geben soll. So hatten wir lediglich die Möglichkeit, um 15
Euro auf eigene Faust eine Bootstour zu unternehmen. Zunächst schlossen wir uns
jedoch einer Walking Tour an, die uns von der Central Station über die vielen
Grachten und Kanäle bis hinunter zum Museum Square führte. An besagtem Punkt
war auch das bekannte I am‘sterdam Zeichen zu sehen. Hier befanden sich außerdem
das Van Gogh Museum, sowie das Heineken Bier Museum. Da Heineken aber sowieso
nicht zu meinen Lieblingssorten zählt, konnte ich das mit gutem Gewissen auslassen.
Natürlich wieder mal völlig überlaufen, daher wollten wir nicht zu viel Zeit
dort verschwenden und machten uns lieber auf dem Weg zur Bootstour, die uns ja
vom Veranstalter verwehrt worden war. Leider kein offenes Boot, das hat mich
ehrlich gesagt schon gestört. Dennoch haben wir einiges zu den Sehenswürdigkeiten
erfahren, die wir passiert haben, beispielsweise zum Anne Frank Haus.
Nach einem
unspektakulären Mittagessen erforschten wir den bekannten Blumenmarkt
Amsterdams, wo es Zwiebeln aller nur erdenklichen Tulpensorten zu erstehen gab.
Leider hatten wir die Tulpenzeit um etwa vier Wochen verpasst – aber somit habe
ich zumindest einen Grund, wieder zu kommen. Neben Tulpen gab es auch Cannabis
in der Dose – naja, wozu? Ist doch sowieso nur in den Niederlanden legal und
daher als Mitbringsel eh nicht zulässig. Ich persönlich würde mich ja nicht gerade
über Cannabis zum Selberzüchten freuen, wenn es mir jemand mitbringen würde.
Ganz in der Nähe
befand sich der „Kaaskelder“ – Käsekeller auf Deutsch. Ein Paradies für Käseliebhaber,
besonders ein schmackhafter Baby Gouda hatte es mir angetan. Rund um die Grachten
und den Markt gab es natürlich auch zahlreiche Souvenirshops, die eigentlich
all die Stereotypen widerspiegeln, die ich oben erwähnt habe. Holzschuhe in
Originalgröße sowie im Miniaturformat gehören natürlich zu den Top Souvenirs,
wie auch zahlreiche Motive von Grachtenhäusern. Aber auch Amsterdams Image als
Hauptstadt des Cannabiskonsums und der Prostitution wurde in diesen Souvenirshops
sehr bestärkt. Ich persönlich muss sagen, dass es ich das mehr als geschmacklos
finde – ja klar, die beiden Dinge gehören ja irgendwie dazu, aber trotzdem muss
das doch nicht sein. Amsterdam hat doch so viel mehr zu bieten.
Am meisten genossen
habe ich die Spaziergänge entlang der Kanäle. Einfach nur die Grachtenhäuser
und Hausboote bei diesem tollen Wetter zu betrachten, macht schon richtig
Laune. Ehrlich gesagt ist Amsterdam auch keine dieser klassischen Sightseeing
Städte, bei der man von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten hetzt, wie etwa in
Paris oder London. Nein, Amsterdam ist mehr eine Stadt zum Herumschlendern,
finde ich zumindest.
Abends führte
uns unser Tourguide durch das berühmte Rotlichtviertel von Amsterdam – und
wirklich, dieses Viertel macht seinem Namen alle Ehre. In engen Gassen stellen
sich die Mädchen doch wirklich wie käuflich erwerbbare Ware in Schaufenster
aus, die bei Bedarf einen Vorhang zum Vorziehen haben. Hat mich wirklich
schockiert, wie leichtfertig sich diese Frauen hergeben – viele von ihnen
wirklich bildhübsch. Und der schlimmste Gedanke ist für mich ja immer der
folgende: das ist von irgendjemandem die Tochter. Stolz sind die bestimmt
nicht, so viel steht fest.
Nach einer relativ kurzen Nacht in einem Hotel, das unter die Kategorie „mehr schlecht als recht“ fällt, ging es am nächsten Morgen schon ganz früh zu einer Käse-/Holzschuhproduktion in unmittelbarer Nähe. Am Vortag habe ich mir extra den schmackhaften Baby Gouda nicht gekauft, weil ich damit gerechnet habe, ihn auf einer privaten Farm billiger erstehen zu können. Naja, nur blöderweise gab es meinen gewünschten Käse gar nicht L
Habe mich zwar durch diverse Käsesorten gekostet, über meinen Favoriten kam ich jedoch nicht hinweg. Anschließend ging unsere Fahrt weiter nach Brügge, der mittelalterlichen Stadt in Belgien, wo wir nach einer kurzen Führung einen netten Nachmittag in der Stadt verbrachten. Bei dem schönen Wetter durften natürlich auch belgische Waffeln nicht fehlen. Als kleiner Weltenbummler vergleicht man natürlich immer gerne die verschiedenen Orte, die man so sieht – in Belgien war ich ja bereits in Brüssel und Gent. Leider muss ich sagen, dass Brügge für mich eher in die Kategorie „durchschnittlich“ fällt. Ganz nett, aber nicht unbedingt ein Ort, den man sich zweimal ansieht. Hat für mich einfach nicht das gewisse Etwas, so Leid es mir tut…
Als ich mich
spätabends am Sonntag endlich wieder in mein Bett kuscheln durfte, war ich
schon sehr erleichtert – der Schlafmangel hat mich doch ziemlich mitgenommen.
Dennoch kann ich Amsterdam doch im Großen und Ganzen sehr positiv hervorheben
und werde mich dort sicher nochmal blicken lassen J
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